3.1.1. Gesellschaftlicher Wandel

 

Die Neuordnung der Gesellschaftsstrukturen in Deutschland begünstigte den

veränderten Stellenwert der Schokolade.

Dabei erleichtert eine Unterscheidung der alten und neuen Gesellschaftsform das Verständnis für die Auswirkungen, die sie letztendlich auf den steigenden Schokoladenkonsum ausübten.

 

Damit sich die Schokolade letztendlich zu einem Massenprodukt entwickeln konnte, durchlief sie viele Stationen in vielen Bereichen.

Auch in dem Bereich Gesellschaft musste sich einiges verändern, damit Schokolade der breiten Masse zugänglich werden konnte.

 

Wie schon erwähnt gab es ein Deutschland, wie wir es heute kennen, im 18. Jahrhundert nicht. Vielmehr bestand es aus vielen kleinen Splitterterritorien, jeweils von unabhängigen und souveränen Monarchen beherrscht. An vielen dieser zahlreichen Höfe wurde Schokolade konsumiert.

 

Bis ins 19. Jahrhundert hinein beanspruchte der Adel für sich den kleinsten Anteil bezüglich der Gesamtbevölkerung und war praktisch alleiniger Abnehmer der Trinkschokolade. Der Zweite und Dritte Stand, die 99% der Bevölkerung in Deutschland ausmachten, konnten sich dieses Genussmittel nicht leisten.

Da sie aber nicht die Zielgruppe der Schokolade darstellten, wurde hier auch kein Interesse für das Produkt geweckt, was keine erhöhte Nachfrage bei der Masse hervorrief. Hier bestand also kein Bedarf nach Schokolade.

 

Doch das relativ geringe Dasein des Adels (ca. 1% der Gesamtbevölkerung) gegenüber den anderen zwei Ständen reichte nicht aus, um aus der Schokolade ein Massenprodukt zu machen, da die breite Masse nicht mit dem Adel gedeckt wurde.

Diese Masse an Konsumenten könnte man jedoch unter dem Zweiten und Dritten Stand finden, die sich Schokolade bisher jedoch nicht leisten konnten.

Das änderte sich mit dem Wunsch nach einer neuen Gesellschaftsordnung, die die Abschaffung der alten Gesellschaftshierarchie zum Ziel hatte.

Damit es keine Ständegesellschaft mehr gibt und die Menschen sich frei entfalten können, wie es im 21. Jahrhundert möglich ist, durchliefen die Menschen in der Geschichte viele Epochen, in denen sich das Denken und Handeln der Menschen veränderte.

 

Das 19. Jahrhundert fordert freie Persönlichkeitsentfaltung sowie Selbstbestimmtes Handeln und Denken, alles umgesetzt in der Französischen Revolution. Folgen hier von sind Bauernbefreiung, Urbanisierung und die Industrielle Revolution und als letzte Konsequenz eine neue Gesellschaftsordnung.

Diese Entwicklungen sind entscheidend für den Wandel der Schokolade zu einem Produkt der Masse, da die Bildung eines selbstbewussten und auch finanziell aufstrebenden Bürgertums Interesse an der stark gesüßten Schokolade fand.

 

Durch verbesserte medizinische Vorsorge fand außerdem ein starkes Bevölkerungswachstum statt. Es entstand also eine neue, größere Zielgruppe, die eine bis dahin ungekannte Nachfrage nach dem Kakaoprodukt auslöste. Diese Nachfrage galt es zu befriedigen.

 

Dadurch, dass die Produktion günstiger wurde und die Ständegesellschaft abgeschafft war, konnten sie sich auch die Schokolade leisten. Der süße Geschmack wurde sehr schnell beliebt und viele Menschen konsumierten Schokolade.